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PRAXIS
Janine Redemann
Soziale Medien in der religionspädagogischen Friedensbildung
Soziale Medien sind aus dem Alltag von Schüler*innen nicht mehr wegzudenken. Auch in der Schule können sie eine wichtige Rolle spielen, um Schüler*innen für Themen wie Friedensbildung und Konfliktlösung zu sensibilisieren.
In den letzten Jahren haben soziale Medien enormen Einfluss gewonnen auf die Art und Weise, wie wir kommunizieren und Informationen austauschen, sowie auf unsere sozialen Beziehungen und unsere Wahrnehmung der Welt. Schüler*innen nutzen tagtäglich Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok oder Snapchat, um mit Freund*innen in Kontakt zu bleiben, Informationen auszutauschen und um sich über aktuelle Ereignisse zu informieren.

Chancen und Herausforderungen

Soziale Medien können auch dazu beitragen, die Reichweite von Friedensinitiativen und -aktionen zu erhöhen. Organisationen und Friedensaktivist* innen können eine breitere Öffentlichkeit erreichen und ihre Botschaften gezielt an bestimmte Zielgruppen richten. Eine der offensichtlichen Herausforderungen besteht darin, dass soziale Medien auch dazu genutzt werden können, Konflikte zu schüren und Propaganda zu verbreiten. Zudem werden soziale Medien auch dazu genutzt, um Aktivist* innen zu identifizieren und zu verfolgen oder um den Informationsfluss zu kontrollieren und zu manipulieren.

Beim Einsatz von sozialen Medien im Unterricht ist darauf zu achten, dass Schüler*innen sich oft nicht bewusst sind, wie ihre Aktivitäten im Internet ihre Umwelt beeinflussen können. Es besteht die Gefahr, dass sie (unbewusst) Konflikte schüren oder Mobbing betreiben. Daher müssen Lehrkräfte darauf achten, dass sie die Privatsphäre der Schüler*innen schützen und sie keine personenbezogenen Daten veröffentlichen.

Praxisanregungen

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie soziale Medien im Unterricht genutzt werden können, um die Friedensbildung zu fördern. Hier sind einige Beispiele:

Virtuelle Diskussionsrunden: Lehrkräfte können die jeweils eingeführten Video-Plattformen nutzen, um virtuelle Diskussionsrunden zum Thema Frieden zu organisieren. Auf diese Weise können Schüler*innen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammenkommen und sich über ihre Erfahrungen und Perspektiven austauschen.
Online-Gruppen: Lehrkräfte können Chat- Gruppen auf schuleigenen Plattformen oder bei datenschutzkonformen Anbietern erstellen, um Schüler*innen zum Austausch und zur Zusammenarbeit bei Friedensprojekten anzuregen. Sie können auch Links zu Artikeln und Videos teilen, die zur Auseinandersetzung mit dem Thema anregen.
Social-Media-Kampagnen: Schüler*innen können Kampagnen zum Thema Frieden und Konfliktlösung entwerfen und durchführen. Sie können zum Beispiel eine Instagram-Kampagne starten, die darauf abzielt, Menschen für die Bedeutung des Friedens zu sensibilisieren, oder eine Twitter-Kampagne, die darauf abzielt, Menschen dazu zu ermutigen, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.
Blogs und Podcasts: Schüler*innen können Blogs und Podcasts erstellen, um ihre Gedanken und Erfahrungen zum Thema Frieden und Konfliktlösung zu teilen. Sie können zum Beispiel eine Reihe von Podcast-Episoden produzieren, in denen sie Expert*innen interviewen oder ihre eigenen Ideen und Perspektiven zum Thema diskutieren.

Friedensbildung mit TikTok

Besondere intrinsische Motivation könnte der Einsatz der umstrittenen Plattform TikTok ermöglichen. Das TikTok-Phänomen hat eine immense Reichweite und Beliebtheit erlangt. Es bietet ebenfalls viele Möglichkeiten, das religiöse Lernen in Schulen oder Gemeinden auf innovative und ansprechende Weise zu fördern. Bei der Nutzung von TikTok sollte die Zielgruppe im Auge behalten werden und sichergestellt werden, dass die Inhalte angemessen, informativ und zugleich ansprechend sind.

Eine gute Balance zwischen Information und Unterhaltung ist nicht immer leicht, da ein Tik- Tok-Video in der Regel eine Länge von 1–3 Minuten hat und es eine Flut von Videos zu den verschiedensten Themen gibt. Die Verwendung von Hashtags und die Förderung von Interaktionen können dazu beitragen, dass die Inhalte sichtbarer werden und mehr Menschen erreichen, im schulischen Kontext ist hier allerdings Vorsicht geboten (siehe unten). Im Kontext der Friedensbildung kann die Plattform bspw. wie folgt eingesetzt werden:

Kurze Andachten: Es können kurze Andachten oder spirituelle Impulse in Form von Tik- Tok-Videos erstellt werden. Diese Videos können biblische Geschichten, Gebete oder Impulse zum Nachdenken enthalten und auf unterhaltsame und zugängliche Weise präsentiert werden.
Challenges: Es lassen sich Challenges auf TikTok starten, bei denen die Teilnehmenden dazu aufgefordert werden, Videos zu bestimmten Themen rund um Religion und Frieden zu erstellen.
Bibelverse und Zitate: Lernende können kurze TikTok-Videos mit inspirierenden Bibelversen oder Zitaten erstellen. Diese Videos können mit Musik oder visuellen Effekten gestaltet werden, um die Botschaften noch eindrucksvoller zu vermitteln.
Diskussionen über ethische Fragen: TikTok kann genutzt werden, um Diskussionen über ethische Fragen zu fördern. Man kann Teilnehmende ermutigen, ihre Ansichten zu bestimmten Themen in Form von TikTok-Videos darzustellen, und andere einladen, darauf zu reagieren und ihre eigenen Perspektiven zu teilen.
Kreativer Ausdruck des Glaubens: Denkbar wäre die Möglichkeit, dass Schüler*innen ihren Glauben kreativ und auf persönliche Weise durch TikTok-Videos ausdrücken. Dies kann beispielsweise das Tanzen zu religiöser Musik, das Malen von biblischen Szenen oder das Vorführen von Theaterstücken umfassen.
Expertenbeiträge: Es lassen sich Expert*innen einladen, um kurze TikTok-Videos zu erstellen, in denen sie ihr Wissen und ihre Einsichten teilen. Dies kann eine gute Möglichkeit sein, Friedensbildung im religiösen Kontext durch Fachleute zu erweitern und verschiedene Perspektiven zu bieten.
Friedensbotschaften: Teilnehmende können TikTok-Videos mit Friedensbotschaften erstellen. Diese Videos können Zitate enthalten, die den Frieden betonen, oder auf kreative Weise zeigen, wie der Glaube zur Förderung des Friedens beitragen kann.
Geschichten des Mitgefühls: Schüler*innen oder Gemeindemitglieder können kurze Geschichten des Mitgefühls oder der Nächstenliebe teilen. Diese Geschichten können Beispiele dafür sein, wie religiöse Werte dazu beitragen, zwischenmenschliche Beziehungen zu stärken und Konflikte friedlich zu lösen.
Virtuelle Friedensaktionen: Es ließe sich eine virtuelle Friedensaktion auf TikTok starten, die dazu auffordert, sich anhand von Tik- Tok-Videos für bestimmte Friedensinitiativen oder soziale Gerechtigkeitsthemen einzusetzen.
Interreligiöser Dialog: Schüler*innen oder Menschen unterschiedlicher religiöser Hintergründe können zusammenarbeiten und gemeinsam TikTok-Inhalte erstellen. Dies kann kreative Darstellungen des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen beinhalten und dazu beitragen, Barrieren abzubauen und Gemeinschaft zu fördern.

Kritische Auseinandersetzung


Bei all dem Nutzen und auch Spaß am Lernen, den der Einsatz sozialer Medien mit sich bringen kann, ist eine kritische Auseinandersetzung unerlässlich. Dies bedeutet für die Lehrkraft einen nicht geringen Aufwand, um die gewählte Plattform so mit den Schüler*innen zu besprechen, dass diese weitestgehend gefahrlos eingesetzt werden kann. Allem voran ist hier die Datenschutzfrage zu klären, z. B.: Wer möchte (oder darf vonseiten der Eltern aus) wie in den sozialen Medien kenntlich werden bzw. wie kann der Schutz der Schüler*innen gewährleistet werden? Welche privaten oder schulischen Geräte können für welche soziale Plattform im Rahmen der Datenschutzrichtlinien der Schule oder der Gemeinde genutzt werden? Sollen Inhalte und Accounts über die privaten Einstellungen hinaus für die Öffentlichkeit geöffnet werden? Darüber hinaus geht es um Beschäftigung mit der Frage nach Nutzen und Funktion des jeweiligen Mediums und seiner Algorithmen bis hin zu den Fragen des sozialen Umgangs miteinander. Dabei werden nicht nur Themen wie Mobbing und Hasssprache wichtig, sondern auch, was Realität ist und was Fake, wie der Einsatz von Filtern auf einen wirken kann und wie präventiv mit dem Druck umgegangen werden kann, der durch die Nutzung sozialer Medien aufgebaut wird.

Ein Einsatz von social media kann für die religionspädagogische Friedensbildung gerade für die Schwerpunkte interreligiöser Dialog, ethische Auseinandersetzung, Konfliktlösung und Gewaltprävention und allen voran globales Bewusstsein ein großer Gewinn sein, der die Mühen der Vorbereitung durchaus lohnt. Es geht darum, die Schüler*innen im aktuellen Dialog, der in ihrer Lebenswelt zu einem großen Teil in den sozialen Medien abläuft, für die Themen der Friedensbildung zu sensibilisieren und sie zu bestärken, eine eigene starke Haltung zu suchen und zu finden.



Literatur
Gründel, Florian, Von Offline zu Online – das Vier-Faktoren-Modell als Hilfe bei der Digitalisierung von Seminaren, in: Themenzentrierte Interaktion 35 (2021) 66–76.
Redemann, Janine, Facebook – ein Friedensraum?, in: Azcuy, Virgina R./Eckholt, Margit (Hg.), Friedens-Räume. Interkulturelle Friedenstheologie in feministisch-befreiungstheologischer Perspektive, Ostfildern 2018, 415–427.
Tante, connected, https://connected.tante.cc/ (Zugriff: 17.7.2023).
Wendt, Peter (Hg.), Digital unterrichten. Apps & Co. im Religions- und Ethikunterricht gezielt einsetzen, Berlin 2019.

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