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REFLEXION
Hanna Roose
»Und Frieden auf Erden?« Weihnachten politisch – Biblische Annäherungen
Friedensethik und Friedenserziehung bedürfen nach dem kriegerischen Überfall Russlands auf die Ukraine einer Revision. Was bedeutet es angesichts dieser veränderten Lage, Weihnachten politisch zu deuten? Und (wie) lässt sich das Recht auf Selbstverteidigung biblisch verankern?
Eine Kollegin aus der Grundschule erzählt von Problemen mit einem aus der Ukraine geflüchteten Schüler. Er habe sich auf dem Schulhof mit einem anderen Jungen geprügelt. Daraufhin habe die Kollegin beide Schüler zu sich zitiert und ihnen gesagt: »Prügeleien möchte ich hier nicht sehen! So löst ihr euren Streit nicht. Ihr müsst miteinander reden!«

Die Szene mutet einerseits alltäglich an. Das Verhalten der Kollegin ist pädagogisch nachvollziehbar. Andererseits bleibt ein schaler Nachgeschmack. Verbal dürfte der Junge aus der Ukraine seinem deutschen Mitschüler unterlegen sein. Vielleicht kämpft der Vater des ukrainischen Jungen an der Front. Deutschland beliefert die Ukraine bekanntlich mit Waffen. Sie bekräftigt das Recht auf Selbstverteidigung und betrachtet kriegerische Auseinandersetzungen wenn nicht als Lösung, dann doch als (alternativlosen) Schritt auf dem Weg zu einer Lösung des Konflikts.

Die Szene zeigt, was inzwischen beinahe als selbstverständlich gilt: Friedensethik und Friedenserziehung bedürfen nach dem kriegerischen Überfall Russlands auf die Ukraine einer Revision. Jan-Hendrik Herbst bezeichnet den Ukrainekrieg als »Nagelprobe einer christlichen Friedenserziehung« (Herbst). Er unterscheidet zwischen individuellen und politisch- strukturellen Aspekten von Krieg und Frieden. Die skizzierte Szene lässt sich als ein implizites Auseinanderklaffen zwischen individueller und politisch-struktureller Perspektive in einem erzieherischen Kontext lesen.
Aus dieser Diskrepanz ergeben sich eine Reihe von Fragen, von denen ich hier drei in den Blick nehme:

1. Was bedeutet es, Weihnachten politisch zu deuten?
2. (Wie) Lässt sich das Recht auf Selbstverteidigung, das politisch momentan mit Nachdruck vertreten wird, biblisch verankern?
3. Welche Konsequenzen ergeben sich für eine Friedenserziehung?

Weihnachten politisch

Der Evangelist Lukas schildert mit der Geburt Jesu ein Ereignis von politischer Tragweite: Es reiht sich ein in einen »weltpolitischen (›ökumenischen‹) Horizont« (Söding 51). »Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde« (Lk 2,1). Die ganze Welt setzt sich in Bewegung, im Matthäusevangelium sogar ein Stern (Mt 1,2.10). Jesus wird zur Konkurrenz für König Herodes (Mt 1,3–4). Maria besingt angesichts der Ankündigung der Geburt Jesu eine Umkehrung der politischen Machtverhältnisse; eine Umkehrung, die Gott bewirkt. In der Lutherübersetzung von 2017 heißt es im Lobgesang der Maria (Lk 1,51–52):
»Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.«
Die Engel besingen die Geburt Jesu mit den Worten, aus denen auch der Titel dieses Beitrags stammt:
»Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens« (Lk 2,14).

Dieser gängigen Übersetzung von Lk 2,14 liegen im griechischen Ausgangstext zwei Nominalsätze zugrunde. Das Verb »sei« wird in der Übersetzung also ergänzt. Sprachlich könnte auch ein »ist« ergänzt werden – oder ein futurisches »wird sein«. Handelt es sich also um einen Wunsch, um eine Feststellung oder um eine Ankündigung?

Der biblische Kontext legt nahe, dass sich in der Geburt Jesu der »Friede auf Erden« verwirklicht. »Der Engelgesang ist ein performativer Akt, der bewirkt, was er besagt, weil er ausdrückt, was ist« (Söding 56). Was aber ist dann der »Friede auf Erden«? Unrecht, Gewalt und Kriege gehen ja weiter. Der Frieden, den Jesus in seiner Geburt gebracht hat, ist noch nicht vollendet. Jesus Christus kommt noch einmal, Advent verweist nicht nur auf die zurückliegende Ankunft Jesu in der Geburt, sondern auch auf seine noch ausstehende Ankunft zum Gericht (Mt 24–25). [...]


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