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REFLEXION
Mirjam Schambeck sf
Reisen: cineastische Bebilderungen in theologischer Absicht
Großes Kino vermag große Theologie zu schreiben. Der vorliegende Beitrag stellt vier Filme vor, die vom Aufbrechen, Unterwegssein und Innehalten erzählen und dabei auf ganz eigene Weise die Gottesfrage wachrufen.
»Alle unsere Probleme beginnen damit, dass wir nicht zu Hause bleiben.« Mit diesem Zitat Blaise Pascals setzt der ungewöhnliche Film »Broken Silence« ein (Wolfgang Panzer, 1995). Es geht um den Kartäusermönch Fried, der bis ans Ende der Welt reist, um sein Kloster zu retten; und es wird die Geschichte der 20-jährigen Ashaela erzählt, die nicht in New York sterben will, sondern an einem schönen Ort, den sie aber erst noch finden muss. Aber nochmals zurück zum Anfang.

Vom Meister des Zuhauseseins zum Lebenslerner auf Reisen – Der Film Broken Silence

Die Kartäuser sind der strengste Orden der Welt. Ihre aus dem Mittelalter datierende Regel wurde nie verändert: Strenges Schweigen, ein zurückgezogenes Leben an nur einem einzigen Ort wirken zusammen mit einem kurz getakteten Tages- und Nachtrhythmus eher wie eine Höchstform asketischer Akrobatik als ein wirklich gangbarer Weg zu Gott – zumindest für Außenstehende. So viel ist klar: Reisen gehört ganz und gar nicht zu ihrem Leben. Und trotzdem muss Fried, der schon 25 Jahre in der Kartause lebt, aufbrechen und sein gewohntes Leben verlassen. Der Pachtvertrag geht zu Ende und niemand anderer als die verbliebene Erbin der alten Dynastie, die den Mönchen das Grundstück in der Schweiz für die Kartause zur Verfügung stellte, kann den Vertrag verlängern. Die aber lebt irgendwo in Indonesien, und auch das ist nicht so gewiss.

Und dann erzählt der Film von Frieds Begegnungen, seiner Unbeholfenheit und Flugangst, die ihn zwingt, bereits in Indien das Flugzeug zu verlassen, von seiner Sitznachbarin Ashaela, einer 20-jährigen Amerikanerin, die ihn bei der Landung beklaut, dann ein schlechtes Gewissen bekommt, Fried mitnimmt und bis zum Ende an seiner Seite bleibt. Nicht nur die imposanten Landschaften, die Fried und Ashaela bei ihrer Reise quer durch Indien bis Bombay und dann auf Java passieren, sondern die vielen, oft zufälligen Begegnungen mit Menschen und v. a. mit der jungen Frau an seiner Seite verändern Fried. Er, der die letzten 25 Jahre mit nichts anderem beschäftigt war, als in seiner Zelle ein äußerst karges Leben zu führen und so Gott zu finden, lernt über die lässig und recht oberflächlich wirkende Ashaela, was Leben bedeutet und was es heißt, alles – das Schöne und Schwere, das Gewollte und zufällig Daherkommende – Gott hinzuhalten. Fried, der ein Meister im Zuhausesein war, entdeckt über das Reisen, wie viele Facetten das Leben und er selbst haben. Echtsein und der Tiefe einen Raum geben sind nicht abhängig vom Alter oder kirchlichen Regeln – das lernt Fried je länger die Reise dauert umso mehr. Es sind die verblüffend einfachen Fragen Ashaelas, die Fried helfen, sein festes, ja starres Selbstgerüst abzuwerfen und seinen eigenen Verunsicherungen Raum zu geben: »Woher weißt du, dass du das Richtige tust?«; »Und du glaubst, du brauchst dies alles?« – gemeint sind die Regeln und festgeschriebenen Rituale und Zeremonien. Keiner hätte Ashaela das zugetraut. Sie, die wie eine unerfahrene junge Frau wirkt, versteht es, das Leben nicht nur mit seinen Verheißungen, sondern auch in seiner Brutalität und Begrenztheit zu sehen. Sie selbst ist unterwegs zu einem, wie sie das nennt, schönen Ort, um dort zu sterben. Ashaela weiß, dass sie nur noch wenige Wochen hat, bis sie wie ihre Mutter wegen der angeborenen Gefäßschwäche an einem Aneurysma sterben wird.

Die Strecken, die die beiden zurücklegen, aber noch viel mehr die inneren Bewegungen, die durch das Reisen ausgelöst werden, machen den Film zu einem Exempel dafür, was werden kann, wenn man erst einmal angefangen hat, den ersten Schritt aus den eigenen vier Wänden heraus zu tun – den sichtbaren und dann eben auch den inneren.

Auch pilgern wider Willen spült die großen Fragen nach oben – Pilgern auf Französisch

Davon erzählt auch der so ganz anders intonierende must have seen-Film »Saint Jacques … Pilgern auf Französisch« (Coline Serreau, 2005). Man weiß es nicht so genau, aber vermutlich ist es doch die Mutter der drei Geschwister Clara, Claude und Pierre, die an ihre Kinder Briefe schickt mit ihrer eigenen Todesnachricht. Zumindest ist der Notartermin zur Verkündigung des Erbes der Anlass, dass sich die schon lange und so richtig grundsätzlich zerstrittenen Geschwister zum ersten Mal wieder sehen. Bedingung, das recht stattliche Erbe anzutreten, ist nach dem (Letzten) Willen der Mutter, dass sie sich gemeinsam auf den Weg nach Santiago de Compostela machen und jede Nacht unter einem gemeinsamen Dach verbringen. [...]


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