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PRAXIS
Kathrin S. Kürzinger
So bin ich – bin ich so? Identitätsarbeit mit Selfies
Selfie, Selfie in der Hand, wer ist die/der Schönste im ganzen Land? Ein Beispiel, wie anhand von Selfies – jenseits aller kulturkritischer Attitude – die Identitäts-thematik bearbeitet werden kann. Mit religionsdidaktischen Konkretionen für die Primar- und Sekundarstufe I.
Charlie Stein, Portrait (Mit drei Gesichtern und Prousts Ohr) – Teil des Werks Triptychon (Rot), Öl auf Leinwand, 90 x 120 cm
Foto: © VG Bild-Kunst 2018
Selfies bieten als aktuelles mediales Phänomen eine neue Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität: Auf bildlicher Ebene werden diverse Rollen, das eigene Ich, aber auch die Beziehungen zu anderen Personen (Freundinnen, Freunde, Familie) in Szene gesetzt. Auf Selfies tritt das Subjekt – ähnlich wie vor einem Spiegel – sich selbst gegenüber und wird so gleichzeitig sowohl zum Akteur als auch Betrachter der eigenen Identität. Analog zum oftmals kritischen Blick in den Spiegel gibt das Selfie als moderne und jederzeit verfügbare Form des Selbstporträts Anlass, über das eigene Ich nachzudenken sowie darüber, wie man sich selbst sieht und ggf. auch möchte, dass einen andere sehen.

Identität und Fragment

Angesichts der Pluralisierung von Lebensformen sind Identitäts- und Sinnfindung immer häufiger Aufgabe jedes Einzelnen. Statt wie früher eher in vorgefertigte Rollen hineinzuwachsen, stehen Heranwachsende heute vor einer unübersichtlichen Vielzahl an Möglichkeiten, die zur Auswahl und Entscheidung aufruft. Zugleich ist die Entwicklung einer eigenen Identität ein lebenslanger Prozess, der auch im Erwachsenenalter noch nicht abgeschlossen ist. Prinzipiell wird Identität heutzutage weniger als etwas Stabiles oder Einheitliches, sondern vielmehr als etwas Wandelbares, Dynamisches oder nach Henning Luther als etwas Fragmentarisches gesehen. Dabei ist es Luther zu verdanken, dass das Fragmentarische von Identität positiv in Anschlag gebracht wird und als wesentliches Kennzeichen christlicher Identität gilt: So versteht Luther das Streben nach Perfektion und Ganzheit in Bezug auf Identität als Sünde, wohingegen die Akzeptanz des Unvollkommenen und Fragmentarischen christliche Identität auszeichnet.

Luther unterscheidet dabei zwei Bedeutungen von Fragment: zum einen das Fragment aus Vergangenheit, die Ruine, zerbrochene Hoffnungen oder verworfene Möglichkeiten und zum anderen das Fragment aus Zukunft, unvollendet gebliebene Werke, die bruchstückhaft bleiben und als solche über sich hinaus verweisen. Gerade dies bewertet Luther als positiv, da daraus eine Bewegung hervorgeht, die den Zustand als Fragment zu überschreiten versucht. Fragmente lassen also Ganzheit suchen, die sie selbst aber nicht bieten und finden lassen. Das spezifisch Christliche liegt für Luther also darin, davor zu bewahren, das grundsätzlich Fragmentarische von Identität zu leugnen oder zu verdrängen. Glauben heißt für ihn daher, als Fragment zu leben und leben zu können. So ist jedes erreichte Stadium unserer Identitätsentwicklung immer nur ein Fragment aus Zukunft, da sich die Ich-Entwicklung nie ganz abschließen lässt.

Selfies als Identitätsfragmente

Luthers Identitätskonzeption des Fragmentarischen hilft, die kulturpessimistische Sichtweise von Selfies als Zwang zur ständigen Selbstoptimierung und marktförmigen Gestaltung der eigenen Selbstdarstellung im Netz aufzubrechen: Das Fragment weiß stets um seine eigene Unvollkommenheit und verweist gleichwohl auf das Ganze. Einerseits präsentieren Selfies und Selbstporträts nur Fragmente einer Persönlichkeit und können diese unmöglich in ihren sämtlichen Facetten erfassen, geschweige denn abbilden. Andererseits verweisen sie als Fragmente über sich hinaus auf die Person, von der sie (nur) einen ganz bestimmten Aspekt bzw. eine spezielle Pose darstellen. [...]


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