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DENKRAUM
Angela Kaupp / Bernhard Spielberg
Was haben wir gemeinsam (vor)?
Der Pastoraltheologe Bernhard Spielberg und die Religionspädagogin Angela Kaupp erörtern das Verhältnis ihrer Fächer zueinander. Sie fragen nach gemeinsamen Grundlagen und Zukunftsaussichten.
Was haben wir gemeinsam (vor)?
Pastoraltheologie und Religionspädagogik reflektieren auf einer theoretischen Ebene die Praxis in einem bestimmten zeitlichen und räumlichen Kontext und haben aufgrund der Tatsache, dass sie stets auf Praxis bezogen sind, viele gemeinsame Bezugspunkte.

Was haben wir gemeinsam?

Religionspädagogik und Pastoraltheologie stehen natürlich im selben kirchlichen und gesellschaftlichen Klimawandel. Erstens treiben Megatrends wie Pluralisierung, Singularisierung und das Ende religiös-kultureller Selbstverständlichkeiten beide um und an (Domsgen; Grümme/Pirner 10–12). Lediglich die Orte, an denen dieser Wandel bearbeitet wird, sind unterschiedlich: für die Religionspädagogik sind es der RU und die Bildungslandschaft, für die Pastoraltheologie ist es – in aller Unschärfe – »die Kirche«. Zweitens sind beide Fächer vom Umbruch in der Hochschullandschaft betroffen, der mancherorts durchaus auch die Frage mit sich bringt, ob es das eine oder andere Fach künftig noch brauchen wird (vgl. Her-Korr spezial 1/2024; LS 4/2023; Krieger). Drittens stehen beide Disziplinen und ihre Vertreter:innen inmitten jener Multikrise, deren Auswirkungen auch im deutschen Sprachraum zu spüren sind und von verschiedenen Seiten bereits thematisiert werden (Bederna; Gärtner; Herbst; Simojoki).

Inmitten dieses Klimawandels nehmen beide Fächer eine gemeinsame Perspektive ein: Sie gehen empirisch von dem aus, was ist, und fragen konstruktiv nach möglichen Gestalten, die christliches Denken und Leben in der Spätmoderne annehmen kann, und nach den Wegen, die dahin führen: Religionspädagogik und Pastoraltheologie, so heißt es exemplarisch auf der Homepage des Münsteraner Instituts für Religionspädagogik und Pastoraltheologie »setzen sich auf unterschiedliche Weise mit der Praxisrelevanz christlichen Glaubens unter den jeweiligen Bedingungen der gegenwärtigen Zeit auseinander. Im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen steht dabei, wie christlicher Glaube zu einem gelingenden Leben beitragen kann.« Ganz ähnlich bringt es auch das Profil des Erfurter Lehrstuhls für Religionspädagogik und Pastoraltheologie auf den Punkt: Die Fächerkombination »erweist im säkularen Umfeld die Relevanz der christlichen Perspektive und entwickelt prakt.-theol. Denken und Handeln angesichts der weltweiten Herausforderungen weiter«.

Beide Disziplinen arbeiten sich gleichermaßen an vielen grundlegenden Begriffen ab: von ›Praxis‹ über ›Erfahrung‹, ›Subjekt‹ und ›Religion‹ bis hin zu ›Gemeinde‹ und ›Kirche‹, um nur einige zu nennen. Ebenso verbinden uns methodologische Konzepte wie hermeneutische, empirische oder ästhetische Zugänge, sowie die Verwendung qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden. In beiden Fächern werden Adressat:innen sowie Rollenträgerinnen und Rollenträger erforscht, und so sind seit einigen Jahrzehnten empirisch arbeitende biografische Forschungsmethoden wissenschaftlich in beiden Fächern verortet.

Als Verbundwissenschaften sind beide Fachdisziplinen durch ein interdisziplinäres Arbeiten gekennzeichnet. Eventuell ist in der Bezeichnung ›Religionspädagogik‹ schon begrifflich eindeutiger, was die vorrangigen Nachbardisziplinen sind: Pädagogik oder Erziehungswissenschaft im Blick auf Erziehung und Bildung; Psychologie, wenn es um Lehr-/Lernprozesse geht, und Soziologie, wenn die gesellschaftliche Situation im Fokus ist. Aber dann wird es in beiden Disziplinen sehr divers im Blick auf mögliche Bezugstheorien sowohl aus den theologischen Nachbardisziplinen als auch darüber hinaus aus Philosophie, Kulturwissenschaften, Organisationsentwicklung etc. [...]


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