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DENKRAUM
Ilona Nord / Elisabeth Migge / Reinhold Boschki
Antisemitismuskritische Bildung nach dem 7. Oktober 2023
Durch den Terrorakt der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dessen politische Folgen auch für den deutschen Kontext (Goldenbogen 2023) ist für christlich- religiöse und kirchliche Bildungsarbeit eine herausfordernde Bilanz zu ziehen: In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Kirchen und Theologie zu sehr auf dem angenehmen Polster ausgeruht, dass durch die bahnbrechenden Erklärungen zum erneuerten christlich-jüdischen Verhältnis und gegen jede Form von Antisemitismus ja die wichtigsten Aufgaben schon erledigt seien. Inzwischen jedoch ist deutlich geworden: Christliche Bildung gegen Antisemitismus muss sowohl im Schulsystem wie aber auch im nonformalen Bildungsbereich der Kirchen intensiviert und strukturell verankert werden.
Antisemitismuskritische Bildung nach dem 7. Oktober 2023
Der 7. Oktober 2023, so schreibt Eva Illouz, war ein Ereignis, das unmittelbar einen grundlegenden Bruch markierte: »Soweit ich mich erinnern kann, hat kein anderes Massaker – ob im Südsudan oder im Kongo, in Äthiopien, Sri Lanka, Syrien oder der Ukraine – im Westen und in islamischen Ländern so viele Menschen glücklich gemacht« (Illouz 10). Illouz zählt im Folgenden Presseberichte dazu auf, wo die Realisierung des grausamsten Terroranschlags auf Israel nach der Schoah öffentlich gefeiert wurde, wie etwa in New York und Paris am 8. Oktober desselben Jahres. So extrem diese Reaktionen sind, so wirkungsvoll haben sie sich doch auch in Städten und Orten, an Schulen und Universitäten in Deutschland gezeigt. Es gab viel Solidarität mit den Palästinenser:innen, die mit diesem Anschlag vielmehr eine Form der Selbstverteidigung als einen Angriff auf Israel verbinden. Die israelische Regierung startete ihre Gegenoffensive am nächsten Tag; der Krieg in Gaza ist zwar durch eine fragile Waffenruhe beendet, die extreme und tödliche Feindschaft sowie gegenseitige Angriffe dauern an.

Seither ziehen sich jüdische Schüler:innen und Studierende sowie auch Lehrende zunehmend in Deutschland aus der Öffentlichkeit zurück. Sie haben Angst vor Übergriffen und Anschlägen, zeigen sich kaum mehr öffentlich erkennbar mit Symbolen jüdischen Glaubens. Der Anschlag vom 15. Dezember 2025 auf eine jüdische Festversammlung zu Chanukka am Strand von Sydney steht für eine weltweite Bedrohungslage und die grausame Realität eines mörderischen Antisemitismus.

Auf Jüdinnen und Juden hören

Verschiedene Projekte reagieren auf diese Situation, indem sie – wie etwa die RIAS Bayern- Dokumentation – Jüdinnen:Juden interviewt und sie nach ihrem Umgang mit dieser Katastrophe befragt. Es zeigt sich alltagsnah, was es heißt, dass Jüdinnen:Juden nach dem 7. Oktober 2023 sehr viel vorsichtiger darin geworden sind, ihre Identität öffentlich sichtbar zu zeigen. Aber die Interviewten spiegeln erfreulicherweise dennoch eine deutlich selbstbewusstere Verbindung zu ihrer jüdischen Identität wider, als es in den Generationen davor der Fall war. Dies gilt auch dann, wenn insgesamt konstatiert wird, dass sich jüdische Identität in Deutschland in einem Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Rückzug bewegt (RIAS-Bayern). Ferner schärfen die Interviewten ein, dass Antisemitismusbekämpfung nur in Kooperation mit Jüdinnen und Juden angemessen realisiert wird. Sie betonen, dass antisemitismuskritische Bildung (ASB) im Schulsystem fest verankert werden muss. Sie fordern – und dies gilt auch für den nonformalen, bspw. den kirchlichen Bildungsbereich – ein schnelles und konsequentes Reagieren auf antisemitische Vorfälle, institutionelle Unterstützung sowie präventive Maßnahmen. Was sie sagen, ist nichts Neues und doch fordern sie ungemein damit heraus. Denn bisherige Maßnahmen greifen nicht in dem Umfang, wie es in einer solchen Bedrohungslage erforderlich ist. Ohne überzogene Ansprüche an Bildungsprozesse zu stellen, gilt es, in der ASB wirkungsvoller zu werden.

Blockaden und Chancen antisemitismuskritischer Bildung

Eine wesentliche Blockade in der Akzeptanz von ASB geht von der Wirkung vorliegender Opferkonkurrenzen zu Palästinenser:innen, der Polarisierung und Entsolidarisierung von Jüdinnen:Juden sowie von der Schwierigkeit aus, dass die politischen Strategien der derzeitigen israelischen Regierung in der Öffentlichkeit überwiegend abgelehnt oder kritisch gesehen werden. ASB steht so vor der Herausforderung, ihre Plausibilität auch als menschenrechtsorientierte Bildung nachzuweisen, indem sie explizit rassismussensibel agiert und sich gegenüber der derzeitigen Regierungspolitik kritischen Argumenten stellt bzw. diese so weit entflechtet, dass politische Sachkritik und eine Delegitimierung des Staates Israel voneinander unterscheidbar werden. [...]


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