zur StartseiteZugang für Abonnenten
Startseite » Aktuelle Ausgabe » REFLEXION


Titelcover der aktuelle Ausgabe 3/2026 - klicken Sie für eine größere Ansicht

Material zum Download
Hier können Sie das Downloadmaterial der jeweiligen Ausgaben herunterladen.

Schriftleitung & Redaktion
Schriftleitung & Redaktion stellen sich hier vor.

Herausgeber & Beirat
Herausgeber und Beirat der »Katechetische Blätter« finden Sie hier.

REFLEXION
Thomas Naumann
Die große Flucht – Israels Ausbruch aus Ägypten als Migrationsgeschichte
Die Bibel kennt zahlreiche Geschichten, in denen Menschen zur Flucht gezwungen, deportiert oder vertrieben wurden. Die für das Selbstverständnis des Volkes Israel und des Judentums bis heute wichtigsten werden im Buch Exodus erzählt.
Die Worte »Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt hat« bilden das zentrale Glaubensbekenntnis des Volkes Israel und die Erzählung vom Ausbruch der Vorfahren aus unerträglichen Gewaltverhältnissen soll alljährlich im Pessachfest erinnert, erzählt und von jeder neuen Generation so nachempfunden werden, »als sei man selbst dabei gewesen«, wie es in der Pessach-Haggada aus dem Mittelalter heißt. Es ist nicht leicht, einer so bekannten Geschichte noch interessante Einsichten abzugewinnen. Sie konsequent als Fluchtgeschichte zu lesen, ist jedoch lohnend, auch für die Arbeit mit Schüler:innen. Denn ein großer Anteil in gegenwärtigen Schulklassen stammt aus Familien mit ganz persönlicher Auswanderungs-, Flucht- und Zuwanderungsgeschichte, die selbst erlebt oder noch in Erzählungen präsent ist. Es ist nicht schwer, Interesse oder sogar eigenständiges Entdecken in den biblischen Texten zu fördern, wenn der Blick migrationssensibel geschärft wird. Ich will versuchen, die verschiedenen Fluchterfahrungen, die sich in diesem großen Buch kreuzen, in den Blick zu bekommen.

Auf einer kollektiven Ebene wird erzählt, wie das Volk Israel nach Jahrhunderten friedlichen Lebens in Ägypten durch ungerechte Herrschaft in Zwangsverhältnisse gerät, die das Leben in Ägypten zur Qual machen. Die wirtschaftliche Drangsal wird durch den Frondienst gezeigt, der politische Terror durch die Tötung der hebräischen Neugeborenen. Dieser Zustand hält viele Jahre an und macht aus den Israelit:innen ein geknechtetes und erschöpftes Volk ohne Ausbruchsgedanken, ohne Handlungsalternativen. So bleibt nur die Klage zu ihrem Gott um Hilfe.

Da greift Gott ein, weil ihn das Elend dieses Volkes nicht kaltlässt, weil er ihre Not sieht und ihr Seufzen hört (Ex 2,23). Dieser empathische Gott wird zum entscheidenden »Fluchthelfer « und er macht einen Mann zum »Schlepper «, um die Flucht Israels aus Ägypten zu organisieren, mit einer ganz eigenen individuellen Migrations- und Fluchtgeschichte.

Mose – Ein Geflüchteter wird zum Fluchthelfer

Mose wurde einst als Säugling vor dem Terror des Pharao von seiner Mutter dem großen Nil anvertraut und wundersam durch die Tochter des Pharao gerettet. Seiner geistesgegenwärtigen Schwester gelang es, die leibliche Mutter als Amme inkognito und sogar gegen Lohn in die Umgebung der Königstochter einzuschleusen. So wächst Mose als ägyptischer Prinz auf und lebt als Findelkind doch in zwei Welten gleichzeitig, denn er fühlt sich auch solidarisch mit seinen drangsalierten hebräischen Stammesbrüdern. Diese Parteinahme lässt ihn zum Totschläger werden, der nicht mit ansehen kann, wie ein Aufseher einen hebräischen Sklaven tötet. Und als er Gefahr läuft, von einem Stammesbruder denunziert zu werden, der in ihm nicht den Hebräer, sondern den Ägypter sieht, muss Mose fliehen, wird als Terrorist verfolgt und findet endlich in der Wüste Sinai Schutz in der Sippe und Familie eines midianitischen Priesters. Diese Midianiter kennen die Genfer Flüchtlingskonvention zwar noch nicht, aber sie sehen, dass da am Brunnen ein verfolgter Mensch ohne Habe und Bleibe sitzt, dem einfach geholfen werden muss. So ist das in der Bibel fast immer: Menschen auf der Flucht treffen auf Menschen, die sie aufnehmen und nicht abweisen. So öffnen die Midianiter ihm ihre Zelte, die Töchter überreden den Vater, und nachdem sie sich überzeugt haben, dass von diesem Mann keine Gefahr ausgeht, nehmen sie den Fremden dauerhaft auf. Mose wird sogar Teil ihrer Familie und heiratet die schöne Priestertochter Zippora, mit der er zwei Söhne bekommt. Mose ist nun midianitischer Hirte, der in Sicherheit ist, angekommen im neuen Leben und eingebunden in eine freundliche soziale Gemeinschaft. 

Sein altes Leben liegt nun scheinbar weit hinter ihm – so viele Jahre und viele Meilen. Darüber, wie es nach solchen Erlebnissen in Moses Herzen aussieht, berichtet die Bibel nichts. Nur einmal lüftet sie kurz den Schleier, wenn sie erzählt, welche Namen Mose für seine Kinder auswählt. In ihnen spiegelt sich seine Seele. Den ersten nennt er Gerschom, das bedeutet: »ein Fremder dort«. Mose begründet diesen Namen: »… denn er sprach: Als Fremder wurde ich aufgenommen in einem fremden Land« (Ex 2,22). Aus diesem Namen spricht gewiss eine große Dankbarkeit angesichts seiner geglückten Flucht und neuen »Heimat«, andererseits ist der Name eine stete Erinnerung seiner bleibenden Fremdheit, die er auch in den guten Lebensverhältnissen immer noch spürt, nicht loswerden kann und wohl auch nicht will. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe oder in der Online-Version.

Zurück zur Startseite

Sie haben die Wahl ...

weitere Infos zu unseren Bezugsarten

Jahresinhaltverzeichnisse

Hier können Sie die Jahresverzeichnisse der letzten Jahre einsehen.


Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen


Katechetische Blätter
Matthias Grünewald Verlag

Telefon: +49 (0) 711 44 06-134 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | AGB | Datenschutz | Impressum | Barrierefreiheit