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BLICKPUNKT
Rudolf Englert / Sebastian Eck
Epistemologische Unaufmerksamkeit – ein unterschätztes religionsdidaktisches Problem
Religiöse Traditionen, religiöse Fragen und religiöse Perspektiven sind nicht selten allerlei Missverständnissen ausgesetzt. Vorsichtiger gesagt: Es kommt immer wieder zu Irritationen: Wie sind bestimmte Traditionen, Fragen und Perspektiven eigentlich gemeint? Wie versteht man sie ›richtig‹?
Epistemologische Unaufmerksamkeit – ein unterschätztes religionsdidaktisches Problem
Was ist gemeint? Die These

Das Problem angemessenen religiösen Verstehens hat unseres Erachtens – mindestens – zwei Seiten. Die eine betrifft einen Mangel an sachkundlichem Wissen: Warum hat man eigentlich einen Weihnachtsbaum? Was ist gemeint, wenn die christliche Tradition von »Christi Himmelfahrt« spricht? Hier kann in der Regel schnell Abhilfe geschaffen werden, auch wenn sachkundliches Wissen im Bereich der Religion oft eine Tiefendimension hat, die durch bloße Recherchen bei Master Google nicht erreicht wird. Die andere Seite des Problems betrifft etwas deutlich schwieriger Fassbares: einen Mangel an religiöser Urteilsfähigkeit. Dieses Problem hat verschiedene Facetten. Eine davon, die uns besonders wichtig erscheint, wollen wir im Folgenden gezielt ansprechen: den Mangel an Verständnis für den besonderen Charakter religiösen Wissens.

Wenn eine Lehrerin Wissen über die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsbaums bereitstellt, handelt es sich hier um eine andere Art von Wissen, als wenn sie zu erklären versucht, was Christ/innen unter »Himmelfahrt« verstehen. Im ersten Fall handelt es sich um historisches Wissen (knowing what), im zweiten Fall um eine theologische Interpretation. Auch wenn keineswegs nur die zweite Wissensform perspektivisch und kontextbedingt ist, ist eine Information über ein geschichtliches Geschehen in der Regel doch deutlich besser objektivierbar als eine theologische Interpretation. Eine Interpretation ist nicht im strengen Sinne nachprüfbar, sondern allenfalls mehr oder weniger plausibel. Grob gesagt: Sie ist nicht ›an sich‹ richtig oder falsch, sondern leuchtet mir ein – oder eben nicht. Das ist ein entscheidender Unterschied. Unsere These ist, dass dieser Unterschied in der religionsdidaktischen Praxis viel zu wenig Beachtung findet, weil es an etwas fehlt, das wir versuchsweise als ›epistemologische Aufmerksamkeit‹ ansprechen wollen. Für diese These gibt es empirische Anhaltspunkte.

Spielt das eine Rolle? Empirische Befunde


Die religionspädagogische Forschungsgruppe Essen (rpfe) hat fünf Lehrstücke zu zentralen theologischen Fragen ausgearbeitet, im Normalunterricht durchgeführt, videografisch aufgezeichnet und in mehreren Gängen analytisch untersucht. Insgesamt handelt es sich um 31 Religionsstunden in 6., 8., 10., 11. und 12. Klassen, die zwischen Oktober 2015 und Juni 2018 in verschiedenen Schulformen und in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens stattfanden.

Der Name des Forschungsprojekts, R-A-D-E-V, steht für fünf Standards religionsunterrichtlicher Arbeit – R: Relevanz, A: Anspruchsniveau, D: Dramaturgie, E: (Lehrer-)Expertise und V: Vernetzung. Empirischen Befunden zufolge (vgl. Englert/Eck 2021, 13– 23) ist der gegenwärtige Religionsunterricht in diesen fünf Punkten verbesserungsfähig. Häufig lässt sich feststellen: Die Relevanz der im Religionsunterricht verhandelten Fragen tritt nicht deutlich genug hervor, das kognitive Anspruchsniveau ist eher gering, der Unterricht weist keinen rechten Spannungsbogen auf, das Lernen der Schüler/innen wird durch Lehrerexpertise nicht genug unterstützt und schließlich: Die verschiedenen inhaltlichen Komponenten werden nicht zu einer nachvollziehbaren Lernprogression miteinander verbunden. Überflüssig zu sagen, dass der Religionsunterricht natürlich auch viele starke Seiten hat und dass es zahlreiche Beispiele für einen Religionsunterricht gibt, der die hier markierten Schwachpunkte nicht aufweist. Aber es handelt sich doch um unübersehbare Problemzonen. Und diese haben mit grundlegenden Schwierigkeiten religiösen Lernens zu tun.

Das Bewusstsein vom besonderen Charakter ‚religiösen Wissens‘ ist im aktuellen Religionsunterricht nicht weit entwickelt.

Wir haben bei der Analyse der von uns inszenierten Lehrstücke (zur Gottesfrage, zur Christologie, zur Geschichte und Theologie der Reformation sowie zu einem ethischen Thema) mehrere strukturelle Probleme identifizieren können. Eines der wichtigsten ist die geringe Aufmerksamkeit für epistemologische Fragen. Die Unterscheidung verschiedener Erkenntnisformen hat in der Vergangenheit streckenweise eine große Rolle gespielt: zum Beispiel die Unterscheidung zwischen theologischer und philosophischer Erkenntnis oder zwischen symbolischer und sachlicher Rede (vgl. etwa Halbfas 1968, 195–269). Im aktuellen Religionsunterricht lässt sich jedoch beobachten, dass die Fähigkeit zur Unterscheidung von Wissensformen und insbesondere das Bewusstsein vom besonderen Charakter ›religiösen Wissens‹ keineswegs so weit entwickelt sind, wie es unseres Erachtens zu wünschen wäre. Dies zeigt sich oft ganz praktisch in konkreten unterrichtlichen Verlegenheiten. Im Folgenden drei Beispiele aus dem von uns analysierten Unterricht. [...]


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