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AUFTAKT
Andreas Menne / Lukas Ricken
Am Anfang war das Fernweh. Über Religion und Reisen
Ob auf Pilgerreise oder beim touristischen Besuch einer Kathedrale: Religion und Reisen sind einander nicht fremd. Wie nah sie sich stehen, zeigt auch der Blick auf die Sprache. Reiseerzählungen und -metaphern prägen religiöse Identitätsbildung bis heute.
Am Anfang war das Fernweh. Über Religion und Reisen
Stellen Sie sich vor, Sie würden in diesem Moment über den Rand dieses Heftes hinausschauen und könnten das Meer sehen, die Wellen rauschen hören, den Sand zwischen den Zehen spüren. Ein verführerischer Gedanke? Dann geht es Ihnen wie den 52 % der Personen, die im vergangenen Jahr bei einer Umfrage der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung angaben, akutes Fernweh zu verspüren (GiK 2).

Reisen und Erzählen: Von Anfang an

Schon in ihren ersten Texten schreiben Menschen »sich das Fernweh von der Seele« (Backhaus 21). Reisegeschichten wie das Gilgamesch-Epos, die Odyssee oder die Aeneis dienen dabei längst nicht nur der Zerstreuung. Sie stiften Sinn, Orientierung, Identität und eine Sprache, um die Flüchtigkeit des Lebens zu beschreiben. Während Odysseus die Rückkehr nach Ithaka im Blick hat, bricht Abraham ins Unbekannte auf. Die Tora zeichnet den Menschen weniger als Reisenden, sondern vielmehr als unbehaust, vertrieben aus dem Paradies, auf Wanderung wie die Erzeltern oder Mose mit dem Volk Israel.

Das Neue Testament ist über weite Strecken als ›Reiseliteratur‹ lesbar. Seine Autoren vereinen die Reisenarrative des antiken Mittelmeerraums mit der jüdischen Tradition. In einer großartigen »Vereinfachungs- und Veranschaulichungsleistung « (ebd. 106) gelingt es Markus, die Geschichte des Wanderpredigers Jesus als Geschichte einer Reise zu arrangieren. Nachdem Paulus die Jesusgeschichte mit seinen Missionsreisen verbreitet, entwirft Lukas in der Apostelgeschichte eine entsprechende »kognitive Landkarte« (ebd. 60) des frühen Christentums. Der Vollzug und die Imagination von Reisen befeuern sich bei den ersten Christen gegenseitig. Heute schüren neben Urlaubskatalogen oder Reiseführern auch Fotos und Videos in den Sozialen Medien die Sehnsüchte und Erwartungen. In diese erzählten Räume schreiben wir uns als Reisende ein. Im Idealfall hilft das dabei, uns in der Fremde zurecht- und wiederzufinden. Allerdings können zu stark geprägte Bilder unseren unvoreingenommenen Blick trüben – nicht zuletzt, wenn wir aus religiösen Motiven unterwegs sind.

Unterwegs mit Gott, unterwegs zu Gott: Religiös motiviertes Reisen

Während Judentum und Islam explizite Gebote zum Wallfahren und Pilgern kennen, sucht man danach im Christentum vergebens. Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. werden Wallfahrten ins ›Heilige Land‹, aber auch nach Rom und zu Asketen oder Wunderheilern erst wieder im 4. Jahrhundert erwähnt. Ein deutlicher Aufschwung religiös motivierter Reisen lässt sich mit Beginn des 11. Jahrhunderts verzeichnen. Den biblischen Quellen zum Trotz erschließt sich Christ*innen erst mit der Zeit, »dass auch das Reisen ein Vollzug christlicher Existenz sein kann« (Fuchs 183). Ihre Hochphase erleben religiöse Reisen jedoch nicht im Mittelalter. Große Wallfahrtszentren wie die Marienheiligtümer in Lourdes oder Fatima entstanden erst im 19. oder 20. Jahrhundert und sind damit »Produkte der Moderne« (Stausberg 46). Die Gemeinde Lourdes in Frankreich zählt heute etwa fünf Millionen Übernachtungen von Reisenden im Jahr, den Besucherrekord hält der mexikanische Wallfahrtsort Villa de Guadalupe mit zwanzig Millionen Besucher*innen im Jahr. Neben Wallfahrtsorten erleben auch Pilgerwege in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung. Der europaweite Ausbau des Jakobsweges, aber auch das Erschließen und Vermarkten anderer Pilgerstrecken wie der Via Francigena von Canterbury nach Rom oder des Camino Ignaciano zwischen Loyola und dem Kloster Montserrat verdeutlichen diesen Trend.

Wallfahrten und Pilgerreisen machen die Gottesbeziehung zeitlich, räumlich und materiell erfahrbar.

Wallfahrten und Pilgerreisen ist gemeinsam, dass sie Glauben und Gottesbeziehung nicht nur geistig, sondern auch zeitlich, räumlich und materiell erfahrbar machen wollen. Die Reise als Moment des Ausbrechens aus den Alltagsstrukturen soll dabei für die Außeralltäglichkeit der Gotteserfahrung sensibilisieren. Religiös motivierte Reisen betonen anders gesprochen »den Geschehenscharakter von Religion « (Meyer 12). Sie vermitteln Religion nicht als statisches Denksystem, sondern als einen das Leben der Menschen bewegenden Erfahrungszusammenhang. [...]


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