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BLICKPUNKT
Stefan Altmeyer
»Saints of Color«: religionspädagogische Denkanstöße
»Saints of Color« – nie gehört?! Von Zeichenübungen, dominanten Bildern und unbearbeiteten Normalitätsvorstellungen: eine Einführung in den Blickpunk.
»Saints of Color«: religionspädagogische Denkanstöße
»Zeichnen Sie bitte wahlweise einen Ritter, eine Burg oder beides zusammen!« Was sich wie eine Spielerei anhört und bestenfalls nach Ereigniskarte in einem creativity game klingt, stammt aus einem Universitätsseminar im Fach Geschichte. Auf diese Weise beginnt eine Kollegin regelmäßig ihre Mittelaltereinführung und lässt tatsächlich ihre Studierenden zeichnen. Und bevor jetzt schon Stift und Papier gezückt werden, lohnt es sich einmal zu überlegen, wie entsprechende Aufgaben denn im RU lauten könnten. Vielleicht so: Zeichne eine Krippe mit oder ohne Heilige Drei Könige! Oder alternativ, mit Lokalbezug und für Fortgeschrittene: den heiligen Mauritius in Luzern, Coburg, Magdeburg oder Wiesbaden, in der Gegend um Basel die heilige Verena, in Xanten den heiligen Viktor oder Sankt Gereon in Köln. In Bonn könnte man Cassius und Florentius wählen, eine Aufgabe, die mir während meiner zwanzig Bonner Jahre leider nie jemand gestellt hat.

Was steckt hinter diesen Zeichenübungen?


Die auf Papier gebrachten Ritter und Burgen im Seminar an der Universität lassen unmittelbar erfahren: Unsere Vorstellungen einer geschichtlichen Epoche sind vorgeprägt von Bildern, die wir zumeist unbewusst mit uns herumtragen. Vermittelt wurden sie je nach Generation über Computerspiele, Ritterkostüme, Spielburgen, Filme, Mittelalterevents, Romane etc. Werden wir nun mit der Aufgabe konfrontiert, einen Ritter und eine Burg zu zeichnen, fallen wir unweigerlich auf diese äußeren und inneren Bilder zurück. Ein Gespräch über die Zeichnungen der Studierenden, eingeleitet etwa mit der Frage »Wie kommen Sie darauf, dass es so ausgesehen hat?«, offenbart sehr schnell den Einfluss solcher historisch mehr oder weniger verlässlichen Vorstellungen auf das gängige Geschichtsbild. Schneller jedenfalls als die Lektüre noch so guter wissenschaftlicher Texte dies könnte – und zudem eindrücklicher. ›Das Mittelalter‹ erscheint so als ein Konstrukt, das eher wenig mit der vergangenen Epoche und noch weniger mit deren Lebenswirklichkeiten zu tun hat, dafür aber umso mehr aussagt über unsere Gegenwart und ihre dominanten Bilder dieser Zeit und ihrer Menschen.

Dominante Bilder


Dominante Bilder ließen sich wohl auch durch die genannten Zeichenübungen ›in Religion‹ zutage fördern. Für eine Krippe sind die erwartbaren Darstellungen bekannt und dürften Maria und Josef in langen Gewändern und Sandalen, ein blondes Jesuskind auf Stroh, einen Stern mit Schweif sowie Ochs und Esel beinhalten. Aber auch die Heiligen Drei Könige sind ikonografisch nicht weniger vorgeprägt, um es vorsichtig zu sagen. Schon anhand dieser Darstellungen gäbe es einiges über kulturelle Prägungen und Vorstellungsmuster, Geschichtskonstruktionen und blinde Flecken zu entdecken: »Wie kommst du darauf, dass es so ausgesehen hat?« Oder: »Sehen Krippen eigentlich überall auf der Welt so aus?« Richtig spannend dürfte es bei den Heiligen werden. Wie werden solche Personen gezeichnet, von denen die meisten Schüler*innen vermutlich nie eine bildliche Darstellung gesehen haben? Wie würden meine Bilder aussehen?

Ich beginne also zu zeichnen … Ich grabe ein bisschen Vorwissen aus und erinnere mich: Sind das nicht Märtyrer*innen, die in römischer Zeit als erste Christ*innen in unsere Region gekommen und dort für ihren Glauben hingerichtet worden sein sollen? Ein Bild römischer Soldaten und ihrer Begleiter*innen käme also infrage: Helm, Tunika, roter Mantel – Sankt Martin lässt grüßen. Worüber ich mir ganz bestimmt keine Gedanken mache, ist allerdings, mit welcher Hautfarbe ich diese Menschen darstellen könnte. Ehrlich gestanden kam mir das gar nicht in den Sinn, bis ich die Texte und Materialien gelesen habe, die Frank van der Velden für diesen Blickpunkt zusammengestellt hat. Auch wenn die historischen Daten zu diesen Heiligen ziemlich vage bis zweifelhaft sind, ist es doch einigermaßen naheliegend, sie sich als afrikanische Menschen mit dunkler Hautfarbe vorzustellen, die aus Oberägypten mit dem römischen Heer bis an den Rhein gekommen sind und dabei das Christentum mitgebracht haben. Meine Bilder hätten ganz anders ausgesehen, wie eben römische Heilige ›bei uns‹ so aussehen. [...]


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