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| Aaron Langenfeld / Konstantin Lindner |
| Christfluencing als Chance und Herausforderung für religiöse Bildung |
| Die zunehmende Präsenz von Christfluencer:innen ist nicht mehr nur im internationalen, sondern auch im deutschsprachigen Social Media-Raum zu beobachten. Was zeichnet dieses Phänomen aus und welche Perspektiven für religiöse Bildung gehen damit einher? |
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Social Media hat einen enormen Einfluss auf das Leben vieler Menschen. Bereits Grundschulkinder können sich statistischen Erkenntnissen zufolge diesem Phänomen nicht entziehen (vgl. mpfs 44–48). Dabei dominieren Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube: Sie haben die »öffentliche und private Kommunikation in unzähligen Bereichen tiefgreifend verändert« (Pirker/Paschke 9). »Durch die Beteiligung vieler an der Erstellung von Inhalten können sich dabei immer mehr kleine und kleinste Nischen für die unterschiedlichsten Interessen bilden […], womit das virtuelle Angebot an Waren, Dienstleistungen, Themen, Gesprächsforen etc. im Gegensatz zur Realität außerhalb des Internets theoretisch unbegrenzt und damit wiederum für jede und jeden Anknüpfungspunkte bietet« (Büsch 208).
Glaubenskommunikation auf Social Media
So ist es nicht verwunderlich, dass sich auf Social Media vielfältige Ausdrucksformen der Glaubenskommunikation etabliert haben. Diese kann implizit geschehen, wie beispielsweise beim Reality-Star Alexander Petrovic, der seine Followerschaft beiläufig in die Ecke der Dubaier Wohnung mitnimmt, in der orthodoxe Ikonen stehen, oder einen entsprechenden Gottesdienst an einem »typischen Sonntag« einfließen lässt. Explizit teilt dagegen die Social Media-Persönlichkeit Lena Glams ihre Transformation von jahrelanger Beauty-Influencerin zu gläubiger Muslima mit Millionen von Menschen. Im Profil von Merle Schoon wiederum, die als freie Pastorin und Influencerin arbeitet, werden regelmäßig Auszüge aus ihren Predigten gevloggt und der Glaube an Gott nicht nur beruflich, sondern auch mit privater Relevanz immer wieder thematisiert. Auf diesen und vielen Profilen bekannter Social Media-Influencer:innen findet Glauben nicht im Verborgenen statt, sondern ist (selbstverständlicher) Teil öffentlicher Identität.
Ein spezifisches Phänomen expliziter Glaubenskommunikation stellen die sogenannten Christfluencer:innen dar. Mittlerweile sind viele deutschsprachige Christfluencer:innen aufzufinden: »Menschen, die in den Sozialen Medien für den christlichen Glauben eintreten« (Mendl/Lamberty/Sitzberger 73) und mittels christlicher Inhalte meinungsbildend wirken wollen. Sie verbreiten ihre religiösen Ansichten mit digitalen Kommunikationsstrategien und stellen nicht selten moralische Normen und damit einhergehende Handlungsempfehlungen in den Mittelpunkt ihrer Botschaft. Seit über zehn Jahren lassen sich derartige Beiträge über christlich-religiöse Inhalte beispielsweise auf Instagram finden, die den christlichen Glauben scheinbar auf zeitgemäße, attraktive Weise in die öffentliche Wahrnehmung zurückbringen – oftmals abseits kirchlich-institutioneller Bindung (Pirker 48–55). Bei näherer Betrachtung fällt auf: Neben moderat-liberalen Christfluencing-Profilen existiert eine Vielzahl von konservativen, evangelikalen und teils fundamentalistischen Interpretationen des Christlichen auf den Social Media-Plattformen, ohne theologisches Fundament, vielmehr gespeist aus persönlich-emotionalem Erfahrungszugang. Vor allem das ideologisch oder gar fundamentalistisch aufgeladene »cabinet of curiosities « (Parlevit 202) erfährt in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung, u. a., weil Follower: innen sich durch die angesprochenen Themen repräsentiert und verstanden fühlen oder weil Menschen mit entgegengesetzten Einstellungen derartige Posts in den Kommentaren diskutieren. Die Aufrufzahlen steigen, aber zugleich auch die Aufmerksamkeit von Staat und Gesellschaft, insofern sich bei fundamentalistischen Christfluencer:innen bisweilen »demokratiegefährdende Tendenzen« (Döring 27) zeigen. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Diskurs um den 2025 ermordeten, US-amerikanischen Influencer Charlie Kirk, der mit radikal-fundamentalistischen Indienstnahmen des Christlichen seine rechtspopulistische Meinungsbildung untermauerte. [...]
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