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| Marcel Scholz |
| Wahrheit und Künstliche Intelligenz – religionsdidaktische Anregungen |
| Künstliche Intelligenz (KI) ist heute z. B. bei Chatbots oder Bild- und Videogeneratoren alltäglicher Bestandteil der Lebenswirklichkeit von Lernenden. Dies transformiert nicht nur den Zugang zu Wissen, sondern könnte auch die Vorstellungen davon prägen, was als »wahr« gilt und wer oder was »Wahrheit« hervorbringt. In diesem Kontext stellt sich die Frage, inwiefern religiöse Bildungsprozesse einen kompetenten Umgang mit Wahrheit angesichts von KI fördern können. |
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Wie »wahr« sind die Erzeugnisse von Künstlicher Intelligenz?
Im Folgenden wird der Fokus auf die generative KI gelegt; darunter werden KI-Systeme verstanden, die auf Basis von Prompts und gelernten Mustern neue Inhalte wie z. B. Texte, Bilder, Videos etc. erzeugen können (vgl. Bendel, Werner/ Arzig 42). Wird eine generative KI wie ChatGPT oder perplexity.ai nach dem Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen befragt, verweist sie auf die Aktualität des zugrunde liegenden Datensatzes, die nach bestem Wissen erfolgte Aussage und auf die prinzipielle Möglichkeit von Fehlern. Zudem betont ChatGPT, dass bei »subjektiven« oder »sehr komplexen« Themen unterschiedliche Perspektiven bestünden und das KI-System bemüht sei, eine ausgewogene Darstellung zu erzeugen, da keine alleinige Wahrheit existiere. Perplexity.ai empfiehlt in diesem Zusammenhang die Konsultation weiterer Quellen sowie eine kritische Prüfung der generierten Ergebnisse.
Bereits 1980 stellte der Philosoph John Searle infrage, ob die im Turing-Test (vgl. Turing) aufgezeigte Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine ausreiche, um Maschinen ein bewusstes Textverständnis zuzuschreiben (vgl. Searle). Der Deutsche Ethikrat verweist in diesem Zusammenhang auf die umstrittene Zuschreibung von »Intelligenz« an Maschinen (vgl. Deutscher Ethikrat). Daraus lässt sich folgern, dass Aussagen generativer KI zwar inhaltlich als »wahr« oder »falsch« beurteilt werden können, diese Bewertung jedoch unabhängig von einem inneren Verständnis des Systems bleibt. »Wahrheit« wird diesbezüglich also im pragmatischen Sinne als Eigenschaft des generierten Textes verstanden und nicht als Ausdruck epistemischer Zustände einer Maschine.
Wie verändert das Leben mit KI unsere Vorstellungen von Wahrheit?
Bei regelmäßiger Nutzung generativer KI zeigt sich jedoch, dass ihre Aussagen gelegentlich falsch sind. In der Studie »News Integrity in AI Assistants« stellt die European Broadcasting Union dar, dass die getesteten KI-Systeme Schwierigkeiten in der Genauigkeit der Informationen, der Präzision direkter Zitate, der Differenzierung zwischen Meinungen und Fakten sowie dem Sourcing aufweisen (vgl. European Broadcasting Union). Als weitere Herausforderungen ließen sich die mangelnde Transparenz der KI-Antworten oder nicht erkennbare Bias nennen. Zudem können KI-Systeme sogenannte »Halluzinationen« hervorbringen, indem sie bei Unsicherheit scheinbar plausible, aber faktisch falsche Informationen generieren, die sie besonders überzeugend darstellen. Letzteres ist auch unter dem Begriff »overconfidence« zu fassen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Fake News, d. h. gezielte Falschinformationen mit einer Täuschungsabsicht (vgl. Grimm u. a. 107). Halluzinationen sind vielmehr als Produkte der Trainings- und Belohnungsalgorithmen zu werten (vgl. Kalai u. a.). Dennoch können KI-Systeme gezielt für die Produktion von irreführenden Informationen genutzt werden.
Zu beachten ist ebenso die Vielzahl an Bots, die KI-generierte Inhalte auf Social Media sowie generell im Internet erzeugen und teilen. Auf diese Weise wird das Internet mit sogenanntem »AI-Slop« (»KI-Müll«) geflutet, der in ganz unterschiedlicher Form und in diversen Medien wie Bildern, Posts, (E-)Büchern, Reels, Musik oder Videos zu finden ist. Jener »AISlop « zeichnet sich zum Teil qualitativ durch die oben erwähnten Mängel von generativer KI aus. Auch Kindern und Jugendlichen begegnet er auf Plattformen wie YouTube, TikTok oder Instagram, weshalb die Kompetenz zur Identifizierung und Bewertung von KI-Inhalten an Relevanz gewinnt. Doch wie ließe sich dies besonders im Sinne der religiösen Bildung erfahrbar machen?
Wie lässt sich »Wahrheit und KI« im Kontext der religiösen Bildung im Religionsunterricht erfahrbar machen?
»KI und Wahrheit« kann im Religionsunterricht primär aus zwei sich ergänzenden Perspektiven thematisiert werden: Sowohl unter besonderer Berücksichtigung digitaler Souveränität im Hinblick auf Fehlerhaftigkeit und Qualität generativer KI als auch fachspezifisch zu (religiösen) Wahrheitsfragen in KI-generierten Inhalten zur Förderung der Wahrheitskompetenz und zum kompetenten Umgang mit religiösen Wahrheiten. [...]
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