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PRAXIS
Anke Offerhaus
Trauern im Digitalen
Trauer als Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen oder den Verlust des eigenen Lebens im Fall von lebensbedrohlicher Krankheit ist eine existenzielle Erfahrung, die alle Menschen früher oder später machen. Dieser Beitrag skizziert, wie sich Trauern durch die digitale Durchdringung unserer Lebenswelt verändert und erweitert hat.
Die Digitalisierung hat den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer grundlegend verändert. Was früher ein tabuisiertes, fast ausschließlich im Privatbereich verhandeltes Thema war, wird heute zunehmend öffentlich thematisiert und gestaltet: Traditionelle, oft ritualisierte Formen der Trauer werden durch neue, interaktive und multimediale Ausdrucksformen ergänzt oder ersetzt. Plattformen wie Facebook, Instagram oder YouTube ermöglichen es, den Tod nicht nur im Stillen zu betrauern, sondern aktiv zu kommunizieren und zu gestalten.

Digitale Öffentlichkeiten als neue Räume der Trauer

Zudem finden sich mittlerweile zahlreiche Trauerblogs sowie virtuelle Friedhöfe und Gedenkseiten, die als digitale Archive den Zugang zu mediatisierten Erinnerungen über Raum und Zeit hinaus erweitern. All diese Angebote ermöglichen individuell persönliche wie auch kollektiv gemeinschaftliche Trauerarbeit, bei der neue Technologien kreativ angeeignet werden, und im Moment der Lebenskrise offensichtlich Funktionen und Bedürfnisse erfüllt, die Menschen an anderer Stelle vermissen.

Digitale Selbstbestimmung und die Online-Trauer um das eigene Leben

Bemerkenswert ist die Entwicklung von sog. »Thanablogs«. Hierbei handelt es sich um persönliche Online-Tagebücher, in denen Sterbende ihre Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit und dem damit verbundenen Sterbeprozess dokumentieren und sich mit letzten Botschaften an die Welt verabschieden. Durch das regelmäßige Bloggen, das Senden von Videobotschaften oder die Erstellung einer eigenen Gedenkseite können sie ihre Biografie aktiv gestalten. Studien zeigen, dass Thanablogging für viele Schwerstkranke eine sinnstiftende Funktion einnimmt (Offerhaus 2020, 256f.). Diese Form der Selbstdeutung ermöglicht es, die eigene Identität zu stärken, die eigene Geschichte zu erzählen und somit die Souveränität über die Deutung des eigenen Lebens und insbesondere über die letzte Lebensphase zu behalten – auch wenn die körperlichen Kräfte schwinden. Zudem können – wie in der Onlinekommunikation üblich – solche Inhalte von anderen Nutzer:innen kommentiert werden. Dadurch entstehen auf Blogs und in anderen sozialen Netzwerken medienvermittelte Erfahrungs- und Solidargemeinschaften, in denen Erfahrungen und Eindrücke geteilt werden. Der gemeinsame, durch wechselseitige soziale Anerkennung und Empathiebekundung gestützte Austausch über bedeutsame Inhalte hat also auch gemeinschaftsstiftende Funktion.

Formen und Motive mediatisierter Trauer von Hinterbliebenen


Für Hinterbliebene eröffnen digitale Medien insofern neue Wege der Trauerbewältigung, als dass sie je nach persönlichem Bedürfnis ganz unterschiedliche Varianten erlauben: Auf der einen Seite gibt es zahlreiche Formen und Praktiken der Online-Trauer, die Menschen mit sich selbst ausmachen und in denen die Beschäftigung mit und Gestaltung von Medien eine Art Rückzugsraum darstellen. Social-Media- Profile von Verstorbenen werden als Gedenkseiten genutzt, die jederzeit besucht und deren Inhalte angeschaut werden können. Virtuelle Grabstätten und Gedenkseiten auf entsprechenden Plattformen können aber auch von Trauernden selbst erstellt, mit Inhalten gefüllt und auf lange Sicht immer wieder verändert werden. Trauernde haben außerdem in mittlerweile umfangreichem Maße die Möglichkeit, als stille Mitleser:innen in Trauerforen, in Trauergruppen oder als Hörer:innen zahlreicher Trauer-Podcast-Angebote Anteil an der öffentlichen Thematisierung von unterschiedlichsten und möglicherweise ähnlichen Schicksalen anderer zu nehmen.

Auf der anderen Seite können Trauernde sich in entsprechenden Trauerforen und Trauergruppen sowie auf Gedenkseiten aktiv beteiligen. Die Möglichkeit, in Foren eigene Erfahrungen einzubringen, auf Gedenkseiten und Trauerblogs Kommentare zu hinterlassen sowie in sozialen Netzwerken Fotos und Videos zu teilen und dabei gemeinsam Erinnerungen zu pflegen, schafft eine digital vernetzte Schicksalsgemeinschaft, die den eigenen Verlust sozial anerkennt und mittels Resonanz emotionale Unterstützung bietet. Besonders wichtig ist dabei die Entgrenzung von Raum und Zeit: Auch wenn das Grab weit entfernt ist, kann der digitale Trauerraum jederzeit besucht werden. 

Auch wenn der Tod weit in der Vergangenheit liegt, können gegenwärtige Momente der Trauer durch aktives Erinnern bearbeitet werden. Studien zeigen, dass diese Form der Trauer keine Alternative zu traditionellen Ritualen ist, sondern eine Ergänzung – sie integriert Trauer in den Alltag und ermöglicht eine langfristige Verarbeitung (Offerhaus 2013). Digitale Trauer ist dabei weniger normiert als traditionelle Formen: Jede:r kann seine Trauer nach eigenen Bedürfnissen gestalten.  [...]


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