|
|
 |
| Martin Breul / Julian Tappen |
| Antony Flews ›Gärtnerparabel‹ revisited: Gottesglaube und Wahrheitsanspruch |
| Welche Form von Wahrheit beansprucht religiöser Glaube? Anhand der Gärtnerparabel des englischen Philosophen Antony Flew lässt sich zeigen, dass die Antwort auf diese Frage jenseits empirischer Beweise gesucht werden muss. |
 |
›Es ist wahr, dass Gott existiert!‹ – ›Es ist wahr, dass Zitroneneis mein Lieblingseis ist!‹ – ›Es ist wahr, dass zwei plus zwei vier ergibt!‹ Diese drei Sätze unterscheiden sich syntaktisch nicht. Zugleich scheint der Anspruch, dass hier etwas Wahres behauptet wird, jeweils etwas anders gelagert zu sein: Im letzten Fall wird eine mathematische Wahrheit behauptet, die bewiesen werden kann. Im mittleren Fall erfolgt eine Geschmacksäußerung, die eine subjektive Vorliebe zum Ausdruck bringt. Beide Male scheint es nicht sinnvoll, ernsthaft über diesen Satz zu streiten – wer eine mathematisch bewiesene Wahrheit immer wieder in Zweifel zieht, scheint den Beweis nicht richtig zu verstehen; und wer eine Geschmacksäußerung kritisiert, scheint die Subjektivität von Geschmacksurteilen nicht angemessen anzuerkennen.
Interessanter ist es nun, wenn man sich den Satz ›Es ist wahr, dass Gott existiert!‹ anschaut: Weder scheint er eindeutig entscheidbar im Sinne einer beweisbaren Tatsache zu sein, noch scheint er sich in der Äußerung einer Geschmackspräferenz zu erschöpfen. Was genau meinen also Theist:innen, wenn sie behaupten, dass es wahr sei, dass Gott existiert?
Religiöse Wahrheit: Weder rein subjektiv, noch objektiv beweisbar
Schließen wir zunächst kurz die alternativen Verständnisweisen aus. Erstens: Äußern religiöse Menschen Überzeugungen wie ›Gott existiert‹ oder ›Gott hat sich in Jesus Christus selbst geoffenbart‹, dann wollen sie damit nicht bloß Einblick in ihren Gefühlshaushalt geben. Die Wahrheit der Existenz Gottes ist weder eine Frage des Geschmacks noch rein subjektiver Emotionen, sondern muss (auch) als Aussage über die subjektunabhängige Welt verstanden werden. Daher unterscheiden sich aber die Sätze ›Zitroneneis ist mein Lieblingseis‹ und ›Das Wesen Gottes ist Liebe‹ wesentlich voneinander: Ersterer ist Ausdruck einer persönlichen Vorliebe, letzterer erhebt Anspruch auf intersubjektive Gültigkeit. Letztlich wird man einem vorgeblichen Zitroneneis- Liebhaber auch entgegen allem äußeren Anschein immer zugestehen müssen, dass Zitroneneis sein liebstes sei. Das scheint in religiösen Belangen nicht unbedingt der Fall zu sein.
Der Glaube und seine Gründe
Im interreligiösen Dialog, in einer Debatte mit Atheist:innen oder in einem Konflikt mit fundamentalistischen Christ:innen zeigt sich, dass die vorgebrachte Behauptung umstritten ist und die Behauptung mit (mehr oder weniger) guten Argumenten angezweifelt werden kann. Entscheidend ist hier: Es kann einen sinnvollen Austausch von Argumenten geben, und Verfechter der Behauptung, dass Gottes Wesen Liebe ist, können versuchen zu zeigen, dass dieser Satz rational begründbar ist. Vor allem aber stehen Theist:innen in der Pflicht, Anfragen an ihren Gottesglauben nicht nur – wie es Zitroneneis-Fans können – mit einem trotzigen »Doch!« zu beantworten.
Zweitens: Offensichtlich unterscheidet sich ein Satz wie ›Zwei plus zwei ist vier‹ von einem Satz wie ›Gott existiert‹. Der erste Satz ist Ausdruck theoretischen Wissens über die Welt, der zweite drückt eine Haltung zur Welt aus. Ihre Rechtfertigungsbedingungen sind grundlegend unterschiedlich: ›Zwei plus zwei ist vier‹ ist eine mathematisch beweisbare Wahrheit. ›Gott existiert‹ hingegen ist eine Überzeugung, die die eigene Sicht auf die Welt grundlegend formt und selbst das Handeln in der Welt (im)präg(nier)t. Die Existenz Gottes lässt sich so wenig beweisen wie seine Nicht-Existenz, und allein auf Basis von Evidenzen oder Beweisen kommen wohl nur die wenigsten Menschen dazu, die Welt religiös (oder nichtreligiös) zu deuten. Das liegt nicht daran, dass religiöse Menschen besonders stur sind, sondern daran, dass religiöse Überzeugungen keine rein beschreibenden Aussagen über die Welt sind. Sie zielen nicht auf empirisches oder mathematisches Wissen ab, sondern auf ein praktisches Verständnis des je eigenen Platzes in der und mit der Welt im Ganzen. Für moderne Theologien ist es daher unerlässlich anzuerkennen, dass religiöse Wahrheiten nicht Teil einer Form von theoretischem Wissen sind, sondern vielmehr praktische Bestandteile religiöser Lebensformen: Sie haben Vollzugscharakter, insofern sie eingewoben sind in die Art und Weise, wie religiöse Menschen ihr Leben führen. [...]
Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe oder in der Online-Version.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.
|

mehr
Informationen
|
 |
|
| Bücher & mehr |
|
|