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| Die Schriftleitung: Dr. Eva Stögbauer-Elsner, Prof. Dr. Helena Stockinger, Prof. Dr. Johannes Heger |
Liebe Leser:innen,
obwohl das biblische Buch Exodus weit über 3000 Jahre alt ist, gewinnt es im 21. Jahrhundert auf tragische Weise neue Aktualität. Wie die beiden Heftbetreuerinnen Gabriele Theuer und Heike Harbecke herausarbeiten, liegt dies an den schriftgewordenen Tiefenerfahrungen der Menschheitsgeschichte, die angesichts multipler Krisen auch in Kontexten religiöser Bildung zu einem Resonanzraum für Erfahrungen von Flucht und Vertreibung werden können.
Die Theoriebeiträge des Heftschwerpunkts entfalten sich entlang dieses prägnanten Kerngedankens: Das Buch des Alten Testaments wird als »Fluchtgeschichte« (Naumann) verstanden, in der sich der Gott Israels mitten im Leid zu erkennen gibt (Konrad) und sich als der »Ich-bin-da« konsequent an die Seite der Verfolgten stellt (Oberthür). Dass die dabei thematisierte Gewalt Gottes hermeneutisch dekonstruiert werden kann und muss, wird dabei sowohl theoretisch als auch praktisch eindrücklich vorgeführt (Theuer).
Die Praxisbeiträge eröffnen in exemplarischen Zugängen einen aktuellen und für religiöse Bildungsprozesse fruchtbaren Zugang: Sie zeigen, wie unterschiedlich Kinderbibeln mit dem biblischen Stoff umgehen (Wiemer), wie der Dekalog in exegetisch und gegenwartshermeneutisch verantworteter Weise aufgegriffen werden kann (Sterck-Degueldre) und wie sich eine Gruppenarbeit zu den »12 Töchtern« aus Ex 1–2 gestalten lässt. Neben diesen thematischen Praxiserarbeitungen illustriert Heike Harbecke überzeugend, dass der Modus der Erschließung von Ex 3 durch performative Mittel wie das Erzähltheater entscheidend zum Verständnis der Gottesoffenbarung beitragen kann. Analog dazu wird mit der differenzierten Option einer »gestuften Teilhabe« dafür plädiert, Pesach im Rahmen religiöser Lern- und Bildungsprozesse in konstruktiv-kritischem Bewusstsein nicht nur zu reflektieren, sondern auch zu vollziehen (Fingerhut). So zeigen alle Zugänge zum Buch Exodus auf ihre je eigene Weise, wie neue Blicke aus unterschiedlichen Kontexten ungeahnte Perspektiven auf den vermeintlich »alten « Exodus freilegen können.
Ein solches hermeneutisches Geschenk der Blickerweiterung erwartet Leser:innen auch im zweiten Teil des Heftes, dem Denkraum: Angela Kaupp und Bernhard Spielberg werfen wechselseitige Blicke von der Religionspädagogik auf die Pastoraltheologie und umgekehrt. Daraus entsteht eine spannende Entdeckungsreise – nicht nur für Fachwissenschaftler: innen beider Disziplinen.
So wünschen wir Ihnen, liebe Leser:innen, Freude dabei, im Blick auf Exodus und Wissenschaftstheorie Bekanntes zu vertiefen und Neues zu entdecken, sowie den Mut, den hier pointierten Leitgedanken der Perspektivvielfalt in andere Bereiche Ihrer Arbeit und Ihres Lebens zu tragen.
Dr. Eva Stögbauer-Elsner, Prof. Dr. Helena Stockinger und Prof. Dr. Johannes Heger
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