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REFLEXION
Annika Janssen
Die Bedeutung der Jogginghose für die politische Bildung
Karl Lagerfeld beschreibt sie als Zeichen des Kontrollverlusts über das Leben, doch nicht erst seit der Coronapandemie hat die Jogginghose einen Imagewechsel durchlaufen. Für Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Schichten war sie schon lange vorher mehr als nur eine bequeme Hose. Sie ist ein Symbol für den Habitus der jungen Generation.
»Die Lehrer wollen nur nicht, dass man sehen kann, dass wir von der Hauptschule kommen, dabei tragen doch die Gymnasiasten selber welche!« Die Jogginghose beziehungsweise deren Verbot an der Schule war Thema im Projekt »Jugend partizipiert«. Auf die Frage nach den Themenwünschen für den Kurs »praktische Politik« wurde die Jogginghose stets als eine der ersten Themen genannt. Nur konnte niemand in der Gruppe so richtig benennen, was die Jugendlichen an dem Verbot störte, außer dass es eben verboten war. Das oben zitierte Argument der Schülerin brachte mir also endlich das Aha-Erlebnis. Für mich war die Jogginghose nur eine Jogginghose. Für die Schüler* innen war die Jogginghose nicht nur ein Kleidungsstück, sondern verdeutlichte einen Teil ihrer Jugendkultur. Durch das Verbot zeigt sich, welchen Vorurteilen sie als Schüler*innen einer Hauptschule tagtäglich begegneten. Mit einem Mal konnte ich also endlich das Problem mit der Jogginghose nachvollziehen. Das Beispiel soll zeigen, wie wichtig es bei der Arbeit mit Jugendlichen aus bildungsbenachteiligten Milieus ist, sich deren Lebenswelten bewusst zu sein. Sich die habituellen Unterschiede klarzumachen, um ihnen auf Augenhöhe begegnen zu können.

Nicht nur bildungsbenachteiligt, sondern chancenarm – die Zielgruppe »bildungsbenachteiligte Jugendliche«


Die SINUS-Jugendmilieustudie beschreibt sehr gut die Zielgruppe der bildungsbenachteiligten Jugendlichen. Die Studie wird alle vier Jahre erhoben und durch Anlehnung an die Habitustheorie werden die Lebenswelten der Jugendlichen mit in die Erhebung einbezogen. Die Gruppe der bildungsbenachteiligten Jugendlichen ordnet sich dem prekären Milieu zu. Dieses Jugendmilieu zeichnet sich besonders durch frühe Brüche in der Biografie der Jugendlichen aus. Beispielsweise mit Schulverweis oder frühem Auszug aus dem Elternhaus. Die Biografie ist durchzogen von Misserfolgserlebnissen. Der Alltag der Angehörigen dieser Lebenswelt ist geprägt vom »Kampf um Normalität und Mithalten« (Calmbach u. a. 95).

Jugendliche aus dem prekären Milieu haben durch verschiedene, teils familiäre Risikolagen die schwierigsten Startvoraussetzungen. Sie sind sich ihrer sozialen Benachteiligung bewusst. Die Angst vor geringen Teilhabemöglichkeiten dominiert das Bemühen um Verbesserung der persönlichen Situation. Zwar ist ihnen klar, dass Bildung notwendig ist, um ihren Status zu verbessern, jedoch zeigen sie die geringste Affinität zur formalen Bildung. Häufig haben die Eltern keinen oder nur einen geringen Bildungsabschluss. Durch das subjektive Empfinden geringer Aufstiegschancen haben viele von ihnen das Gefühl, dass sich Leistung nicht lohnt. Der Entwicklung des Gefühls von Selbstwirksamkeit stehen die Bedrohung von Armut und die gemachten Erfahrungen von Nutzlosigkeit entgegen (vgl. Calmbach u. a.). Die Problematiken, mit denen sich die Jugendlichen in ihrem Alltag auseinandersetzen müssen, resultieren nicht aus der Bildungsferne. Sie spüren, dass ihnen Chancen verbaut sind oder sie sich diese selbst verbaut haben. Häufig sind diese Chancen aufgrund von Stigmatisierung oder durch das starre Bildungssystem begrenzt. Viele schaffen es nur mit Mühe und/oder der Unterstützung anderer, einen höheren Bildungsabschluss zu erzielen. So spricht Aladin El-Mafaalani sogar vom »Mythos der Chancengleichheit« im deutschen Bildungssystem (vgl. El-Mafaalani).

Durch das subjektive Empfinden geringer Aufstiegschancen haben viele Jugendliche das Gefühl, dass sich Leistung nicht lohnt.

Anstatt von ›bilbildungsbenachteiligten‹ kann auch von ›chancenarmen‹ Jugendlichen gesprochen werden. Dadurch werden Jugendliche aus den verschiedenen Milieus miteinbezogen, welche von ähnlichen Problemlagen betroffen sind. Gleichzeitig wird damit nicht unterstellt, dass sie sich nur mehr anstrengen müssten, um höhere Bildung und damit ›die Lösung‹ ihrer eigenen Probleme erreichen zu können. [...]


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