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BLICKPUNKT
Thimo Zirpel
Die ›strahlenden‹ Erzeltern hatten eigentlich nie eine weiße Weste
Wenn im Religionsunterricht oder in der Gemeindearbeit die Erzeltern von ihrem goldenen Sockel geholt werden, dann hat das weniger mit Respektlosigkeit als vielmehr mit Treue zum biblischen Original und echten Chancen zur Begegnung zu tun. Ein Plädoyer für einen differenzierten Umgang mit biblischen Vorbildern.
In einer kurzen Tour de Force durch die biblischen Texte, durch Klärung von bibelhermeneutischen und -didaktischen Herausforderungen soll diese These untermauert werden. Einige praktische Vorschläge zur Umsetzung mit analogen und digitalen Hilfsmitteln bieten einen Ausblick.

Exegetische Grundlagen

Die biblische Grundlage zu den sogenannten Erzelterngeschichten zeigt ein differenziertes bis gar widersprüchliches Bild: Zwar steht Abrahams Zukunft vom Anfang seiner Erzählung an (Gen 11) unter einem guten Stern. Er ist mehrfach der Adressat einer großen Verheißung, der er – ohne zu zögern oder sie zu hinterfragen – als großes Vorbild im Glauben folgt. Und doch: »Ist das deine Frau?«, wird er zweimal sinngemäß im Buch Genesis gefragt (vgl. Gen 12,10–20 und Gen 20,1–18) und beide Male schafft er es nicht, aus Furcht um seine eigene Haut, zu ihr zu stehen. Wenige Kapitel später heißt es dann ›Wie der Vater, so der Sohn!‹, denn auch Isaak verleugnet Rebekka (vgl. Gen 26,1–11). Mit Jakob wird ein weiterer Vertreter der früher in Kirche und Bibelwissenschaft glorifizierten Erzväter gar in der Bibel selbst als »Betrüger« (Hos 12,4) tituliert. Große Männer der Bibel scheinen in den Geschichten selbst vom goldenen Sockel gestoßen zu werden oder zumindest werden sie in keinem Fall überhöht dargestellt.

Bei den Frauen sieht es nicht viel anders aus: Sara ist eigentlich als erste Frau Abrahams auch Ziel der Verheißung an ihn. Als sie dann eine unbestimmte Zeit später immer noch nicht schwanger geworden ist, nimmt sie die Sache selbst in die Hand und lässt Abraham mit ihrer Magd Hagar schlafen, nur um dann doch mit dem Ergebnis unzufrieden zu sein und die Magd samt Kind wortwörtlich in die Wüste zu schicken (vgl. Gen 16). Dann lacht Thimo Zirpel Die ›strahlenden‹ Erzeltern hatten eigentlich nie eine weiße Weste Wenn im Religionsunterricht oder in der Gemeindearbeit die Erzeltern von ihrem goldenen Sockel geholt werden, dann hat das weniger mit Respektlosigkeit als vielmehr mit Treue zum biblischen Original und echten Chancen zur Begegnung zu tun. Ein Plädoyer für einen differenzierten Umgang mit biblischen Vorbildern. Bibelimpulse KATBL 145 I HEFT 4 I 2020 315 Sara vor Verwunderung und (froh-gestimmtem!) Erstaunen über die Verheißung des einen der drei Männer bei den Eichen von Mamre, dass sie im hohen Alter noch einen Sohn gebären soll (Gen 18,1–16). Rebekka wiederum gilt als entschlossene und risikobereite junge Frau. Aber auch eine andere Seite gehört zu ihr: In Gen 27 verleitet sie ihren Sohn Jakob zum Betrug am eigenen Vater Isaak und stellt ihren Liebling über das Recht des Erstgeborenen Esau. Die beiden Schwestern Lea und Rahel sind schließlich auf der Bühne der Bibelerzählung alles andere als ›ein Herz und eine Seele‹ (vgl. Gen 29 und 30,1–24). Somit haben auch einige große Frauen der Bibel durch die Art und Weise der eigenen Erzählung Kratzer abbekommen (vgl. Zimmermann/Zimmermann 271–299).

Ein differenzierender Blick auf große Männer und Frauen der biblischen Frühgeschichte wird also von den Texten selbst nahegelegt. Dennoch ist es noch eine relativ junge Entwicklung, dass zum einen nicht nur die Väter, sondern auch die Mütter des Glaubens betrachtet werden, und zum anderen, dass diese Betrachtung nicht in überhöhender Weise geschieht, die die biblischen Figuren zu entrückten und unnahbaren Heiligen macht. Ersteres ist vor allem den Fortschritten in der Textkritik und generell der Exegese zu verdanken. Denn das hebräische Wort für »Väter« bedeutet eben auch »Eltern« (vgl. Fischer 2008). Projekte wie die Bibel in gerechter Sprache und generell die feministische bzw. geschlechtergerechte Bibelexegese haben hier einen unverzichtbaren Beitrag geleistet und zur Sichtbarkeit und Auseinandersetzung mit biblischen Frauenfiguren beigetragen. Durch solche Entwicklungen und durch einen allgemeinen gesellschaftlichen Wandel in Bezug auf Autoritäten (s. u.) ist vermutlich auch eine neutralere und nicht so sehr von theologischen oder machtpolitischen Interessen geleitete Auseinandersetzung mit den Patriarchen (und Matriarchinnen) möglich. [...]


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